400 Tage selbststÀndig. Ich bin ehrlich stolz auf mich.
Noch vor ein paar Jahren war das ein absolut undenkbares GeschĂ€ftsmodell fĂŒr mich. Ich war großer Fan von (finanzieller) Sicherheit und hatte mich in der Position der „nicht hauptverantwortlich sein zu mĂŒssenden“ Projektmanagerin gemĂŒtlich und wenig gefordert eingerichtet.
Mein vorletzter, von mir sehr geschÀtzter Chef, gab mir noch mit auf den Weg:

„Kristin, such Dir eine vernĂŒnftige Anstellung auf Konzernseite; was willst du denn noch in einer Agentur, hier verdienst Du kein Geld, Urlaub lĂ€uft nur mĂ€ĂŸig, das willst Du doch nicht fĂŒr den Rest Deines Lebens!“

Den eingeschlagenen Weg als Angestellte hatte ich bis dahin keinen Millimeter verlassen. Ein bisschen Recherche und Suche und da war sie da: die Festanstellung auf Konzernseite. Super. Alles erreicht, was ich mir so ĂŒberlegt hatte.
Das war im Januar 2018.

Wurden Sie schon mal gemobbt? Ich nicht. Zumindest nicht bis zur Zeit meiner Festanstellung bei dem vermeintlichen Super-Safe-Konzern-Job.
Kurz nach der Probezeit ging es los. Ich schlitterte in die bis dato wohl grĂ¶ĂŸte berufliche Krise meiner Laufbahn. Und nichts davon selbstverschuldet.

Kurz bevor es mich auch persönlich völlig zerstört hÀtte, dann der Entschluss: Ich. Muss. Da. Weg.
Mit dem zeitlichen und emotionalen Abstand, den ich heute zu dieser Zeit habe, gebĂŒhrt einigen Frauen mein Dank; Frau 1 ist sicherlich meine verhasste Kollegin und Mobbinginitiatorin. Ohne Ihre konstanten und immer ĂŒbler werdenden Machenschaften hĂ€tte ich das Handtuch nicht geworfen. Frau 2, 3 & 4 sind allesamt Arbeitsrechtlerinnen. Unser ersten Treffen in Eva`s Kitchen, einem urgemĂŒtlichen Peruanischen Restaurant in der List in Hannover, hat einen weiteren Meilenstein auf diesem Weg gesetzt. Der Rotwein ging damals auf mich. Das TrĂ€nenlachen kam kostenfrei dazu. Heute sind wir Freundinnen.

Die TĂŒr der Festanstellung war zugeschmissen. Die MĂ€dels haben mich arbeitsrechtlich betreut und erfolgreich rausgeholt. Mein eigener Kopf hatte wieder Platz fĂŒr das neue Projekt: „Ich mach jetzt was Eigenes“. Und auf einmal ging eine richtig große TĂŒr auf, durch die ganz viel Neues auf mich zukam.

Ich habe viel gefragt und mit noch mehr Menschen gesprochen. Der erste wichtige Support kam durch hannoverimpuls, regionaler Wirtschaftsförderer in Hannover. Danke an meine Beraterin fĂŒr die uneingeschrĂ€nkt positive Motivation, diesen Weg weiter zu gehen.

Und es ging los: STR8 Agentur fĂŒr Erlebnismarketing war mein erster Auftraggeber. Kurz danach ein völlig unerwarteter Kontakt: unsere erste Zusammenarbeit lag 20 Jahre zurĂŒck. Im April 2019 starteten wir gemeinsam zu einer Photoproduktion fĂŒr die Heidekönigin nach Holland. Job 2 lief.
Job 3 kam postwendend und fĂŒhrte mich nach Frankreich. Highlight ab Mai: der TÜV NORD – durch Empfehlungsmarketing auf mich aufmerksam geworden – fragte UnterstĂŒtzung fĂŒr eine Roadshow an und arbeitete mit mir bis September.

Die Wende kam im November 2019. Ein fest zugesagtes, mehrmonatiges Projekt mit hohem Stundeneinsatz wurde mir abgesagt. Von jetzt auf gleich große Projektleere fĂŒr die kommenden Monate. Und ein leeres Bankkonto. Meine 2. berufliche Krise und ich standen uns gegenĂŒber.
Dass ich meinen Weg daraus wĂ€hrend einer Fastenwoche an der Ostsee gefunden habe, kann fast symbolisch gesehen werden. Nicht nur mein Kopf, der gesamte Körper wurde einmal komplett durchgespĂŒlt und wieder klar. Frische Energie bringt ganz automatisch neuen Schwung und tatsĂ€chlich entstand mein Lösungsansatz wĂ€hrend einer Strandwanderung. Erste zaghafte Idee war es, ein zweites Standbein aufzubauen, um weniger abhĂ€ngig vom sehr durchwachsenden ProjektgeschĂ€ft zu werden. Ich muss linearer planen können, aber wie und mit was? Darauf eine Antwort zu finden ist mir schwer gefallen, aber ich habe es geschafft; als 2. Standbein baue ich eine Existenz als Dozentin und Speakerin zu eventrelevanten Themen auf. Die ersten Dozentenschritte gehe ich bereits, danke an die TA Hameln und die Hochschule Hannover fĂŒr Euer Vertrauen in mich ‚Frischling‘.

Positives bedingt Positives; Ende Januar kam – unerwartet, spontan & unendlich geschĂ€tzt – ein Projektvertrag aus Hamburg. East End Communications suchte UnterstĂŒtzung fĂŒr eine Veranstaltungsreihe bis Ende September. Eventuell bis November, 2-3 Tage vor Ort in der Hansestadt. Ich hab gefeiert, getanzt und ultra- organisiert; Wohnung auf Zeit in der  Schanze, ein zweites Swapfiets in Hamburg, nebenbei das DebĂŒt als Dozentin fĂŒr Eventmarketing  – 3 Tage Vollzeitunterricht – Einzug ins neue BĂŒro in Hannover. Ich turnte durch mein leicht turbulentes Leben. Das war es, mein Element. Raus aus der Krise, rein ins GetĂŒmmel.

Und jetzt?
Jetzt ist Corona.
Veranstaltungen abgesagt. ProjektvertrĂ€ge verloren. Quasi Berufsverbot bis Ende August. Das Swapfiets in Hamburg auch gekĂŒndigt. Die berufliche Krise und ich; wir blicken uns das 3. Mal ins Auge. Dieses Mal richtig tief.

Dieser Blogabschnitt ist reserviert fĂŒr die Zeit nach Corona.
Krise 3 resultiert in Projekt 3. Bleibt es im Rahmen meiner ganz eigenen Krisengeschichte kann es nur groß werden, richtig groß.
Aktuell kenne ich es noch nicht. 

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