Ich habe mich mit Silke Marshall, Inhaberin der gleichnamigen Marketing Agentur in Kapstadt, SĂŒdafrika ĂŒber Sinn und Zweck von Incentive Reisen unterhalten. Unser Interview unter dem Motto „Incentive Reisen – Sinnvoll investiert oder sinnlos vergeudet“ gibt ein paar tolle Insider Tipps zu diesem Thema.

Kristin Westphal (KW): Silke, ich falle gleich mit der TĂŒr ins Haus. FĂŒr viele Unternehmen sind Incentive Reisen heraus geschmissenes Geld ohne Nutzen. Du bist seit vielen Jahren in diesem Bereich tĂ€tig und kennst die Incentive und MICE Welt wie Deine Westentasche. Was sagst Du dazu?

Silke Marshall (SM): Wenn ich das höre falle ich direkt tot um!
Liebe Kristin, erst einmal toll, dass wir uns zusammen ĂŒber dieses spannende Thema unterhalten. Aber im Ernst, diese Aussage sagt mir, dass das Wissen um HR Themen wie MitarbeiterfĂŒhrung und –motivation und auch ein unternehmerischer Weitblick noch ausgebaut werden sollte. Was ich Dir aber mit Bestimmtheit bestĂ€tigen kann ist, dass das Thema Incentive Reisen oft sehr eindimensional gesehen und ganz falsch eingeschĂ€tzt wird. 

KW: OK, da sind wir schon ganz emotional in das Thema eingestiegen. Fang doch einfach mal damit an zu berichten, was Incentive Reisen ausmachen. Ich freue ich auf Deine ErklÀrung als Expertin in dem Bereich.

SM: (lacht) So, warte mal, ich krame mal in meinem Hirn. Gelernt habe ich mal eine Definition, die ungefĂ€hr so lautet: „…. Incentives sind Anreize, die motivierend und
leistungssteigernd eingesetzt werden können. Eingesetzt werden sie strategisch unter BerĂŒcksichtigung der unternehmerischen Zielsetzung.
Incentives können auch PrÀmien sein, aber darauf gehe ich jetzt nicht ein.

KW: Nee, es geht mir speziell um den Sektor Incentive Reisen und alle Faktoren, die dazu gehören. Hast Du Infos seit wann es professionell organisierte Incentive Reisen gibt?

SM: Seit den 70er Jahren etwa. Das war ja die Zeit, in der die wirtschaftlichen Sorgen der Menschen abnahmen. Der Blick ging in die große weite Welt, man wollte neue LĂ€nder sehen, was erleben, andere Kulturen entdecken, unabhĂ€ngig sein, reisen. Dieser Umstand wurde von den Unternehmen sehr clever in das eigene Marketing mit eingebaut,  sogenannte die MICE Industrie grĂŒndete sich. Also die Formate Meetings, Incentives, Conventions und Exhibitions. Mitarbeiter, die sich durch besondere Leistungen auszeichneten kamen in den Genuss an einer Incentive Reise teilzunehmen. Bis heute ist das so und besonders im Vertriebsbereich ein gern verwendetes Format.

KW: Aber was heißt das denn jetzt konkret? Incentive Reise. Ich reise ja nicht „nur“ in ein anderes Land, das mache ich ja privat viel lieber als mit den Kollegen *lacht* Incentive Reisen werden ja sicherlich auch strategisch eingesetzt. Wie ist das denn zu bewerten?

SM: Da hast Du absolut Recht, strategisch gesehen können Incentives ein echter Meilenstein im Marketingmix eines Unternehmens sein. Deine Mitarbeiter sind Dein Kapital und tragen Deine GeschĂ€ftsidee nach vorne. Das GeschĂ€ftsleben wird aber immer schneller, mehr und mehr Fachwissen musst Du Dir draufschaufeln. Guck Dir das Tempo an, mit dem Firmen versuchen in das Digitalzeitalter einzusteigen, um wettbewerbsfĂ€hig zu bleiben. Das schaffst Du nur im Team und das muss Dir loyal zur Seite stehen. Wenn Du aber nur einseitig immer mehr Einsatz forderst 
.wirst Du nach und nach Deine Leute verlieren und nur noch leere menschliche HĂŒllen vor Dir haben. Null Motivation, null Einsatzbereitschaft, null Engagement.

KW: Das Bild, das Du zeichnest klingt tatsÀchlich sehr demotivierend. So bremsen sich Firmen selber aus und sehen nur den Wettbewerb, die Budgets und vergessen, dass Menschen im Unternehmen arbeiten. Das hilft auch ein gutes Gehalt nicht so richtig, denke ich mal.

SM: Das stimmt. Wir als Unternehmer mĂŒssen anfangen ganzheitlicher zu denken. Wir wollen alle ins technische, digitale & vernetzte Zeitalter aufbrechen, alles soll schneller, effektiver & globaler werden. Aber wer bringt uns dahin? Sicherlich gibt es eine Menge technischer Neuerungen und Möglichkeiten aber solange es immer noch Menschen sind, die handeln, agieren und Prozesse fĂŒhren, dĂŒrfen wir diesen Faktor nicht vernachlĂ€ssigen. Daher mĂŒssen HR und Management sich im klaren sein, dass das Gut Mensch im Unternehmen auf allen Ebenen gefördert werden muss. Und das bedeutet nicht nur fachlich. Und hier können Incentives, die z.B. mit kreativen Meetings oder interaktiven Tagungen kombiniert werden, einen entscheidenden Beitrag leisten. Stell Dir selber die Frage, Kristin. Wann setzt Du Dich gerne mit neuen Aufgaben auseinander und was bleibt Dir nachhaltig in Erinnerung?

KW: Wenn ich mit tollen Leuten was gemeinsam unternommen habe, ich Spaß hatte und was Neues, vielleicht auch VerrĂŒcktes gemacht habe.

SM: Genau!! Das ist es. ERLEBNISSE! WIR GefĂŒhl. Mannschaftsgeist ist der entscheidende Erfolgsfaktor. Damit erschließt Du die Potentiale der Team Mitglieder und erzeugst KreativitĂ€t und Verantwortungsbewusstsein. Das gilt es herauszuarbeiten. Du kannst so viel Wissen und Fakten ĂŒber das gemeinsame Erleben transportieren. Da mĂŒssen wir als MICE Planer ansetzen und das mĂŒssen wir den Verantwortlichen ĂŒberzeugend verkaufen.

KW: Noch mal im Klartext: Incentives sind nicht nur ein Teil des Marketingmix, sondern ich wĂŒrde sogar so weit gehen und sagen, es ist DAS Instrument, um meine Mitarbeiter auf die Anforderungen der immer schneller werdenden Businesswelt vorzubereiten. Ich als EinzelkĂ€mpfer bin out, nach vorne geht es nur zusammen.

SM: *begeistert* Ja, Kristin, genau das ist es!! Das ist sicherlich der Idealfall aber das wollen wir ja. Das Instrument INCENTIVE REISE richtig eingesetzt kann ĂŒber hop oder top auf dem Weg meines Unternehmens in die Zukunft entscheiden. Eine Sache allerdings sollten wir nicht außer Acht lassen; die Kosten-Nutzen-Rechnung. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht – und irgendwer muss es ja auch zahlen – sind Incentive Reisen keine wirklich messbaren Tool. Die Kosten stehen in keiner klaren Relation zum Ergebnis. Denn motivierte Mitarbeiter und engagiertes Personal, eine gesunde ArbeitsatmosphĂ€re und so weiter und so fort sind leider keine mit Zahlen zu belegenden Faktoren.

KW: *nachdenklich* Das ist tatsĂ€chlich oft ein Problem. Schade, dass bei vielen das VerstĂ€ndnis nicht da ist in die Mitarbeiter zu investieren, damit diese dann kurz- bis mittelfristig dem Unternehmen ja doch Erfolge bringen. Ich stelle mir gerade vor; ich als Angestellte in einem Unternehmen, das mir eine Incentive Reise anbietet. Toll. Und wenn ich wieder zu Hause bin nehme ich den ganzen Schwung und die Energie aus dem Erlebten mit ins BĂŒro. BÀÀhm.

SM *unterbricht mich* Du bist ja auch ohne Motivationsboost schon ein BĂŒndel Energie *lacht*. So schlecht ist es um das VerstĂ€ndnis der UnternehmensfĂŒhrungen gar nicht bestellt. Viele leitende Manager haben verstanden, dass Ihre Erfolgsfaktoren ihre Mitarbeiter sind. Die gilt es zu fördern und natĂŒrlich auch zu fordern.

KW: Silke, wir machen einen Themensprung. Lass uns kurz noch ĂŒber die Incentive Entwicklung hier in SĂŒdafrika sprechen. Du hast bei einem Tourismuskonzern die Incentive Abteilung aufgebaut. Wie sind Deine Erfahrungen und wie ist aus Deiner Sicht die Entwicklung bzw. die Akzeptanz von Incentive Reisen hier auf der anderen Seite des Erdballs *grinst*

SM: Als wir mit der Planung und Umsetzung der Projekte in SĂŒdafrika begonnen haben steckte der Tourismus und das gesamte Dienstleistungsgewerbe hier am Kap in den Kinderschuhen. In sehr kleinen Kinderschuhen. Du kennst die Historie dieses Landes, die ist nicht einfach. Aber es haben sich findige Leute gefunden, die das Potential des Landes erkannt haben. Wir haben hier im sĂŒdlichen Afrika großartige super authentische Angebot, die ich sonst noch nicht so in der Welt gesehen habe. Der Erlebnisfaktor beginnt in Kapstadt bereits beim Landeanflug auf die Stadt; der Tafelberg inmitten der Metropole und das Meer direkt daneben sind ein echter  WOW Faktor.
Und die Nachfrage hier runter zu kommen ist nahezu lĂŒckenlos gut. Wer einmal diese Region besucht hat, der kommt auch immer wieder. Ein anderer Vorteil, den wir haben: keine Zeitverschiebung nach Europa. Das ist top. Hier leidet keiner am Jetlag. Wir arbeiten z.B. gerade an einem Presselaunch fĂŒr eine große deutsche Edelautomarke und die sind zum 
ich kann es gar nicht zĂ€hlen, X-ten Mal hier bei uns. Toll. Da haben wir viel richtig gemacht.

KW: Das stimmt wohl, ich gratuliere auch dazu. Klingt nach einem spannenden Projekt. Silke, ich habe zwar noch viele Fragen; Sicherheit im Land oder auch die gestiegene Aufmerksamkeit auf Themen wie Compliance, aber fĂŒr heute kommen wir zu einem Ende. Einzig meine Einstiegsfrage möchte ich noch mal stellen: Incentive Reisen – sinnvoll oder sinnlos?

SM: Sinnvoll!! Ich wĂŒrde mir wĂŒnschen stellvertretend fĂŒr alle Marketingchefs den Punkt Incentive Reise als nicht zu diskutierenden festen Bestandteil in den Marketingmix Plan zu schreiben. Ehrlich jetzt. Das Invest – finanziell wie zeitlich – ist unfassbar gut angelegt. Mein Appell an alle leitenden Angestellten: seid vorausschauend und denkt ĂŒber den Tellerrand hinaus. Eure Leute funktionieren besser desto ganzheitlicher Ihr denkt.

KW: Großartig. Ich glaube das ist ein spitzen Schlusswort. Ich hoffe, ich bin bald selber wieder mal am Kap.

SM: Sag Bescheid, wenn Du hier bist, dann fĂŒhren wir unser GesprĂ€ch weiter. Hat Spaß gemacht und danke, dass Du mich dafĂŒr angefragt hast.

Zur Person: Silke Marshall ist gebĂŒrtige Wiesbadenerin, lebt seit 1994 in Kapstadt und ist erfolgreiche, international arbeitende GeschĂ€ftsfrau und zweifache Mutter. Als sie nach SĂŒdafrika kam hat sich maßgeblich die MICE Abteilung bei einem der grĂ¶ĂŸten Reiseveranstalter, Felix Unite Tours, aufgebaut.
Mit Ihrem Mann Craig Marshall grĂŒndete sie die Incentive und
special interest Agentur M&M Solutions, fĂŒr die Sie erfolgreich die Marketingstrategie entwickelte. 2009 hat Sie ihre zweite Firma, „Silke Marshall Marketing Solutions“, ins Leben gerufen. Bis heute ist Sie Marketing Fachfrau mit einem großen Herzen und betreut Unternehmen aus dem Tourismus und MICE Bereich. Ihre Unternehmen arbeiten u.a. direkt mit Brands wie Porsche zusammen und betreuen internationale Medienproduktionen wie Deutschland sucht den Superstar (DSDS). 

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