‚Hybrid‘ – bis vor kurzem kannte ich diesen Begriff nur aus der Autoindustrie und hatte eine vage Idee, was ein hybrides Auto vom Verbrennungsmotor oder gar von einem Elektrofahrzeug unterscheidet.
Jetzt also Hybrid-Events. Virtuelle Begegnungen, bei denen aber auch immer noch ein paar Menschen live und in Farbe vor Ort sind. „Corona Style“, mit ausreichend Abstand und bitte nicht mehr als 5 Personen. Gestern hatte ich meine Hybrid-Event-Premiere. Ich war virtueller Gast beim „DisTanz im Mai 2020“.
Unter dem Motto „Lieber ein Mai-Beben, als klein beigeben“ hat das Team um Nadja Kahn und KahnEvents ein fulminantes Onlinefestival auf die Beine gestellt.

Mein Feedback direkt vorab: ich hatte 90 Minuten echt Spa├č. Hatte mich gem├╝tlich an meinem Schreibtisch eingerichtet, die beiden Bildschirme maximal gut ausgerichtet, die R├╝ckenlehne des ergonomischen Stuhl auf „Kippen“ gestellt; Kopfh├Ârer-Test, l├Ąuft, Ton an, es konnte losgehen.
Kamera an und die B├╝hne vom Hamburger Scharlatan Theater erschien auf meinem Bildschirm. Mit Wortwitz und sehr passender Situationsironie nahm uns der Moderator toll mit. Der Chat am Bildschirmrand f├╝llte sich fix; wir alle hatten richtig Lust auf diesen Event. Dann die Schalte in die Hafencity. Mehr als 100 Digitalg├Ąste wechselten virtuell die Location. Im 2. Bildschirm-Fenster: Thilo Nordhaus, live aus seiner Alten Liebe in der Hafencity. Dort coole Hintergrunddeko: Holzkisten mit bunten Paprika, Radieschen und Tomaten. Ein Eyecatcher f├╝r mich als Dreiviertelvegetarier. Zur├╝ck zu Thilo in der Rolle des gastgebenden Moderators. Mit mehr als ├╝berzeugender Performance. Die Krise, denke ich, l├Ąsst uns alle ├╝ber unsere eigentliche Berufung hinauswachsen. Und dann mein n├Ąchstes Hybrid-Highlight: Lukas Droese, Singer Songwriter aus Hamburg.

Begeistert kippte ich mit meinem Stuhl hin- und her. Das Kopfh├Ârer Kabel begrenzte mich in meiner Bewegung. Make a mental note „Bluetooth Kopfh├Ârer kaufen“, wenn das mit dem Geld wieder besser l├Ąuft. Egal, ich habe f├╝r mich und vor mich hingefeiert und laut gelacht. Die suspekt guckenden Kollegen im Gro├čraumb├╝ro habe ich gekonnt ignoriert. Motiviert,┬á fast ├╝berm├╝tig schrieb ich Lustiges in das Chatfenster und sprang jubelnd auf, als wir interagierten. Lukas & ich. Mein Chat wurde von Lukas, der alleine mit der Gitarre vor den Gem├╝sekisten stand, auf der Tonspur kommentiert. Mega. So also geht Hybrid. Als dann J├Ârn, der Tontechniker, schreibend im Chat mitmachte, waren wir ein interaktives Hybrid-Trio. J├Ârn, Lukas & Kristin. Gro├čartig.

90 Minuten klickte ich mich munter durch das Angebot; und KahnEvents hatte sich viel ├╝berlegt. Ein Kracher war die Abschluss├╝berraschung. Die Scharlatan Impro-Band hat aus Begriffen, die wir alle virtuell in den Chat geworfen hatten, einen Impro-Abschluss-Song kreiert. Donnernder Applaus. Virtuell aber von Herzen. Abschlussmoderation. Euphorisch schubse ich meinen Stuhl an. Das Mistkabel st├Ârte wieder, also Kopfh├Ârer raus. Noch eine jubelnde Stuhlrunde, dann war Schlu├č.

Mein Laptop Bildschirm zeigt das typische Windows 10 Startbild. Der gro├če Bildschirm die Pr├Ąsentation f├╝r mein FH Seminar in der kommenden Woche. Das Kapitel lief bis zuletzt nur schleppend. Zack, zur├╝ck im B├╝roalltag. Hatte ich den eigentlich verlassen? Hybrid-Events. Was k├Ânnen die schaffen? Das ├╝berlege ich jetzt, w├Ąhrend ich auf den starren Bildschirme glotze. Ich mag Events und ich liebe meinen Job. Mit all seinen T├╝cken und Emotionalem. Aber ich mag auch Menschen. Und ich mag meine ├╝brigen Sinne; Riechen, Anfassen, Schmecken. Ich mag lachen MIT den Menschen und rede gerne. Live und in Farbe lieber als vor dem Bildschirm. Ich kann beides aber ich habe echte Priorit├Ąten.

Hybrid-Events. Die k├Ânnen tats├Ąchlich was. Aber ein 100%iger Ersatz f├╝r Live-Events sind sie nicht. F├╝r mich zumindest nicht. M├╝ssen sie auch nicht. Ich glaube, aus der Kombination k├Ânnen mega Erlebnisse erwachsen. Erg├Ąnzend, nicht entweder oder. Mit dem Fazit kann ich gut leben. Wenn das unser neues ‚Normal‘ wird, dann ist diese Krise vielleicht doch eine Chance. Ich freue mich dennoch drauf, wieder live vor der B├╝hne stehen zu k├Ânnen. Mit einem Bier in der Hand.
Gestern Abend gab es bei mir geschmortes Gem├╝se; Paprika & Tomate. Beim Essen musste ich wieder l├Ącheln.
Danke, Nadja Kahn.

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